„Mit Milu ohrwärts“ – digitale Anwendungskompetenzen im „Hör-Unterricht“
Die Zuhörkompetenz ist im Unterricht nur schwer zu beobachten und deshalb schwer zu beurteilen. Der Einsatz eines Hörportfolios für den Kompetenzbereich „Hören“ ist eine grosse Chance, den weitgehend unsichtbaren Prozess des Hörens beobachtbar zu machen.
(aus „Mit Milu ohrwärts; Ursula Käser-Leisibach, Claudia Zingg Stamm, Lehrmittel für 1.-3. Klasse)

Einstieg
- Im Kindergarten und der Primar/1.Klasse: wir hören zuerst alle gemeinsam die 1. Seite des Lehrmittels. Kater Milu, die Leitfigur des Lehrmittels, stellt sich vor und die Kinder erfahren gemeinsam, wie das Arbeitsheft genutzt wird.
- QR- Codes lesen lernen (scannen mit iPad-Kamera) und erstellen können (mit Soundolino Kids-Creator)
- Selbstständiges Erarbeiten des Heftes (im Kiga nur Schwierigkeitsstufe 1), da das Heft für 1.-3. Klasse konzipiert wurde. In der Primar/1.Klasse werde alle drei Schwierigkeitsstufen bearbeitet.
- Arbeiten mit Kopfhörer (dadurch auch weniger Ablenkung)
Bearbeitung
Welche Aufgaben (-Schritte) erarbeiten die Kinder?
Die Kinder lesen mit ihrem i-Pad und verbundenen Kopfhörern den QR-Code ein und hören den Auftrag (kann auch mehrere Male gehört werden). Anschliessend lösen sie die Aufgabe.
Im Kindergarten: falls sie die Aufträge nicht verstehen (zu komplex oder wegen mangelnder Deutschkenntnisse) dürfen die Kinder zur Lehrperson gehen und mit ihr zusammen den Auftrag noch einmal anhören und genau erklären lassen .
Dadurch, dass einige Kinder dies selbstständig erledigen können, werden Ressourcen frei für diejenigen Kinder, welche Unterstützung brauchen. (digitale Medien als Klassen-Assistenzen)
Welche (digitalen) Lernprodukte werden realisiert?
QR-Codes mit Audioproduktionen, welche die Kinder in ihr Hörportfolio kleben (erstellt mit soundolino)
Die Lehrperson bereitet einen QR-Code vor, mit dem die Kinder selbstständig auf den kidscreator von soundolino gelangen. So können sie unabhängig Sprachaufnahmen tätigen und brauchen hier keine zusätzlichen Anweisungen.

Die Aufnahmen “sieht” man direkt als Lehrperson in der Bibliothek von soundolino unter “meine Projekte” und kann sie anhören, benennen und ausdrucken. Falls etwas “Falsches” draufgesprochen wurde, kann man dies den Kindern direkt mitteilen und evtl. sogar Aufnahmen von anderen Kindern vorspielen, damit sie ein Beispiel haben.

Gibt es Möglichkeiten zur Differenzierung (z.B. nach Lernzugängen – Bearbeitungsweisen?)
Kindergarten: Es wird mit den Aufgaben der Schwierigkeitsstufe 1 angefangen (siehe Handbuch zum Lehrmittel). Zuerst gemeinsam im Plenum, damit die Kinder Milu überhaupt kennenlernen. Anschliessend dürfen sie selbstständig die 2. Aufgabe erledigen (Milu entspannt sich, hört ruhige Musik). Die Kinder dürfen sich selber einen Platz suchen zum Entspannen. Ab da dürfen die Kinder dann selbstständig entscheiden, welche Aufgabe sie erledigen wollen. Falls ein anderes Kind die gewählte Aufgabe schon erledigt hat, ist dieses Kind Experte und darf auch gefragt werden, wenn die Aufgabenstellung schwierig ist oder nicht verstanden wird.
Diejenigen Kinder, die dies selbstständig erledigen konnten, dürfen Schwierigkeitsstufe 2 bzw. 3 machen, wenn sie Interesse daran bekunden.
Primarschule: Es wird in den ersten Wochen mit den Aufgaben der Schwierigkeitsstufe 1 gestartet. Diese sind für die SuS an der Wandtafel visualisiert mit den bekannten “Katzenöhrchen”, so wie sich die Schüler:innen im Hörportfolio nach jeder Aufgabe auch selbst einschätzen sollen, wie einfach/schwer die Aufgabe für sie war. Dann wird das Arbeiten im Hörportfolio geöffnet und die Schüler:innen dürfen selbständig entscheiden, in welchem Schwierigkeitsgrad und in welcher Reihenfolge sie arbeiten möchten. Zur Orientierung hängen die Schwierigkeitsgradeblätter immer an der Wandtafel (siehe Foto).

Abschluss
In welcher Form wird die Lernsequenz abgeschlossen?
Wenn das Kind die Aufgabe erledigt hat, darf es, wenn es möchte, noch eine weitere Aufgabe machen oder aber das Heft wegräumen und in die Eigenzeit gehen. So ist dieses Kind auch Anlaufstelle für Kinder, welche evtl. Fragen haben oder Unterstützung brauchen.
Es bietet sich an, in der abnehmenden Stufe weiterzumachen, da es ein sehr umfangreiches Lehrmittel ist.
Das Hörportfolio-Heft kann mit nach Hause genommen werden und dort von den Eltern auch angehört werden. ACHTUNG!!!! Falls man QR-Codes mit chirp.qr erstellt, muss man sich bewusst sein, dass diese nach +/- 2 Monaten nicht mehr funktionieren. Mit soundolino funktioniert es so lange, wie man die Lizenz hat.
Die Lernsequenz “richtig zuhören” wird in dem Sinne bei uns im Kiga nie wirklich abgeschlossen, da wir sehr viel mit Tiptoi-Stiften, Anleitungen per QR-Codes,…arbeiten. Also kommt das hier Erlernte immer wieder zum Zug.
Werden Lernprozess und -produkt sichtbar gemacht? Für wen?
Hörportfolio, welches die Kinder mit nach Hause nehmen können und ihren Eltern vorstellen können.
In welcher Form erhalten die Schüler: innen ein aussagekräftiges (formatives) Feedback zu ihrem Lernen? Wie können individuelle Lernfortschritte sichtbar gemacht oder eingeschätzt werden?
- Selbsteinschätzung (Katzenohren zum Markieren im Portfolio)
- Je nach Tempo der Erarbeitung des Hörportfolios
- Direkt nach der Aufnahme hören wir diese am PC und die LP kann direkt Feedback geben (Aufnahme wunderbar, Aufnahme zu leise, man hört Störgeräusche,…) und das Kind hört mit und kann seine Meinung dazu selber mitteilen.
Weiterführende Aufgaben
Wie könnte die Aufgabenstellung erweitert werden?
Selber QR-Codes mit Aufgaben für andere Kinder erstellen. So wurde gemeinsam ein Würfelspiel erstellt, bei dem die Kinder auf Feldern mit QR-Codes landen und die gestellten Aufgaben dann erledigen müssen (z.B. dreimal um den Tisch laufen, auf einem Bein hüpfen und den Namen klatschen etc. Die Kinder nehmen ihre Ideen selbstständig auf. Wenn sie fertig sind, kommen sie zur LP, um die QR-Codes auszudrucken. Es können auch fortlaufend immer wieder neue Aufgaben erstellt werden)
Hörmuseum: Die Kinder erstellen QR-Codes zu ihren Zeichnungen. Die Erklärungen (man braucht dafür…, mir gefällt …) können die anderen Kinder oder auch die Eltern in der Ausstellungsecke anhören.
Materialien
- iPads oder Tablets sind ein Muss
- Kopfhörer für jedes Kind
- Lehrmittel «Mit Milu ohrwärts», Ingold Verlag
- Soundolino; https://www.soundolino.ch/ (Lizenz erforderlich; 4.- /Mt.)
Soundolino Anleitung: https://youtu.be/TahfecnfzEc?si=5RCVNKapEqvdfWrO - Kidscreator von soundolino (Sehr einfach für die Kinder zum Bedienen. Die LP kann am PC den Namen der Kinder direkt einfügen, da noch nicht alle Kiga-Kinder den Namen eintippen können.)
Bildnachweise/Quellennachweis
- Bild soundolino kidscreator von soundolino.ch (Screenshot aus Kidscreator)
- Bild mit der Auflistung der Schwierigkeitsgrade (eigenes Foto)
- Bild QR-Code von kidscreator von soundolino.ch
- Beitragsbild: Eigenes Material
Autorinnen
Michaela Truffer, Kindergarten Dulliken
Clarissa Aeschlimann, Kindergarten Dulliken
Sabrina Schmid, 1. Klasse, Schule Gipf-Oberfrick